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"Das Drehbuch der Wall Street – wenn Retail-FOMO auf politisches Chaos trifft"

'2025-11-08'
Jetzt läuft "Das Drehbuch der Wall Street – wenn Retail-FOMO auf politisches Chaos trifft"

Das Drehbuch der Wall Street

  1. Abverkauf bis in die Kaufzone bei 6650 – ✔️
  2. Auf bullishe Nachrichten zum Ende des Shutdowns warten – ✔️
  3. Kräftige Erholung und Schluss über dem täglichen MA50 – ✔️
  4. Republikaner lehnen das Angebot der Demokraten zur Beendigung des Shutdowns ab (nach Börsenschluss) – ✔️

Marktanalyse

Nach einer Erholung wie der vom Freitag hätte man einen Anstieg im SP500 Indicator erwartet, vielleicht sogar einen Bullish Impulse oder zumindest eine erneute Akkumulation nach zwei schweren Distributionen. Stattdessen – nichts.

Der lange untere Docht der Tageskerze signalisiert zwar starkes Buy-the-Dip-Interesse, das Muster deutet aber vor allem auf Retail-FOMO hin und nicht auf institutionelle Überzeugung. Institutionelle Anleger sind seit Anfang Oktober Nettoverkäufer und nutzen jede Erholung, um ihr Engagement abzubauen.


Ausblick

Government Shutdown – Wahrscheinlichkeit und Zeitplan

Der US-Shutdown geht nun in die sechste Woche und ist damit der längste in der Geschichte der USA. Laut Reuters wächst der politische Druck, da der wirtschaftliche Schaden auf geschätzte 11 Mrd. $ pro Woche steigt.

Wahrscheinlichkeit einer Lösung: Eine kurzfristige Einigung innerhalb der nächsten 7–10 Tage wird immer wahrscheinlicher, mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 65 %; eine Finanzierung für das gesamte Jahr ist vor Q1 2026 jedoch unwahrscheinlich.

Erwarteter Zeitplan: - Mitte November: Vorübergehende Continuing Resolution (CR) wahrscheinlich. - Dezember–Januar: Risiko neuer Blockaden oder teilweiser Finanzierungslücken. - Q1 2026: Mögliche umfassende Einigung nach Abschluss der Haushaltsverhandlungen.

Auswirkungen auf den Markt: Eine kurzfristige Einigung könnte eine Erleichterungsrally auslösen, erneuter politischer Streit dürfte das Aufwärtsmomentum jedoch schnell deckeln. Es bleibt das Risiko, dass der Optimismus der Privatanleger verfliegt, sobald die Schlagzeilen wieder von fiskalischer Instabilität handeln.


Federal Reserve – die nächsten Schritte

Nachdem die Fed auf der letzten FOMC-Sitzung Geduld signalisiert hatte, hat sie die Erwartungen an baldige Zinssenkungen gedämpft. Reuters berichtet, dass Powell die Inflation inzwischen als „hartnäckig“ und den Arbeitsmarkt als „widerstandsfähig“ einschätzt.

Erwarteter Pfad: - Rest von 2025: Geldpolitik im Wartemodus; die Fed wartet auf Klarheit bei Shutdown und Inflation. - Q1 2026: Erste Zinssenkung möglich, falls sich der Arbeitsmarkt abschwächt. - H2 2026: Schrittweiser Lockerungszyklus, wenn die Inflation weiter sinkt.

Auswirkungen auf den Markt: Die verzögerte Lockerung könnte das Aufwärtspotenzial bei Aktien begrenzen, besonders nach der Erholung nach dem Shutdown. Fallen die Inflationsdaten höher aus als erwartet, könnte die Fed die Zinsen länger hoch halten – was die in den jüngsten Distributionen sichtbare Vorsicht der Institutionellen verstärken würde.


KI-Blase – steigende Risiken

Der KI-Trade zeigt Anzeichen spekulativer Sättigung: überhöhte Bewertungen, zirkuläre Investitionsströme und Gewinne, die nicht nachziehen. Der Großteil des Kaufmomentums stammt aus der Begeisterung der Privatanleger, während die Positionierung der Institutionellen abgeflacht ist. Ohne Gewinne, die die Multiplikatoren rechtfertigen, könnte dem Sektor in den nächsten 3–6 Monaten eine Kompression der Bewertungsmultiplikatoren drohen – besonders, wenn sich die Liquidität verknappt oder Zinssenkungen ausbleiben.


CLO-Markt – ruhig, aber verwundbar

Private Credit und CLO-Märkte sind zu einem Ökosystem von 2 Billionen $ angewachsen, das nun steigenden Ausfallrisiken und Refinanzierungsstress ausgesetzt ist. Wie UBS anmerkt, ist die Widerstandsfähigkeit derzeit noch hoch, doch die Spreads beginnen sich auszuweiten. Steigen die Unternehmensausfälle 2026, könnte sich die Neubewertung von CLOs beschleunigen und auf die breiteren Kreditmärkte übergreifen.


Zusammenfassung

Die Rally vom Freitag sieht im Chart eindrucksvoll aus, ist aber unter der Oberfläche wenig überzeugend. Die institutionellen Ströme bleiben defensiv, die Fed bleibt vorsichtig, und das politische Umfeld bleibt chaotisch. Der Optimismus der Privatanleger allein dürfte den nächsten Anstieg kaum tragen – zumal mit zwei tickenden Zeitbomben: KI-Euphorie und CLO-Fragilität. Die Zone 6650–6700 mag vorerst halten, doch ohne institutionelle Akkumulation könnte sie ebenso gut zur Falltür für die nächste Abwärtswelle werden.