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"Wöchentlicher Marktausblick"

'2025-07-22'
Jetzt läuft "Wöchentlicher Marktausblick"

Liquidität auf Hochtouren, Krypto-Rally und schwächelnde Treasuries, während Makrorisiken drohen

🧾 Marktüberblick Der wöchentliche S&P 500 Indicator fiel vergangene Woche um mehr als 15 Punkte – eine willkommene Abkühlung von überhitzten bullishen Extremen hin zu neutralerem Terrain. Das Kursgeschehen zeigt einen spürbaren Verlust an bullishem Momentum und deutet darauf hin, dass wir möglicherweise in eine zeitliche Korrektur eintreten (sprich: seitwärts gerichtetes Hin und Her). Das passt perfekt zur saisonalen Flaute, die typischerweise von Ende Juli bis August zu beobachten ist. Manchmal brauchen Märkte einfach ein Nickerchen.

💧 1. Liquidität, Krypto und die Angst, etwas zu verpassen 🔄 M2-Expansion setzt sich fort Laut der Federal Reserve Bank of St. Louis setzt die Geldmenge M2 ihren Aufwärtskurs fort. Wenig überraschend findet diese überschüssige Liquidität ihren Weg in Risikoanlagen – namentlich Aktien und Kryptowährungen –, denn offensichtlich waren die Inflationslektionen von 2021 nicht schmerzhaft genug.

🧾 Die Krypto-Woche liefert einen regulatorischen Jackpot Die US-amerikanische „Crypto Week“ brachte umfassende Regulierungen für digitale Vermögenswerte und löste eine breit angelegte Rally aus, insbesondere bei Altcoins, die sich inzwischen besser entwickeln als Bitcoin. Für erfahrene Krypto-Beobachter ist dies oft die letzte Phase des Bullenzyklus – also der Moment, in dem Ihr Uber-Fahrer Ihnen einen neuen Token anpreist.

🔌 Entkopplung von Bitcoin und Nasdaq Wo früher eine enge Korrelation zwischen Bitcoin und dem Nasdaq bestand, sehen wir nun eine Entkopplung. Beide Anlageklassen konkurrieren inzwischen um denselben Liquiditätspool – ein Hinweis auf veränderte Anlegerpräferenzen … oder vielleicht auch nur auf eine veränderte Aufmerksamkeitsspanne.

💸 Starke Zuflüsse in Krypto-ETFs Im Juli 2025 verbuchten in den USA gelistete Krypto-ETFs – angeführt von BlackRocks IBIT – Nettozuflüsse von über 3,4 Mrd. $. In Spitzenmomenten machten die ETF-Volumina fast 30 % des Bitcoin-Spothandels aus, was die beschleunigte institutionelle Akzeptanz digitaler Vermögenswerte unterstreicht. Auch wenn sie im Vergleich zu Aktien-Schwergewichten wie SPY oder QQQ noch klein sind, erobern sich Krypto-ETFs eine ernstzunehmende Nische.

📉 2. Makro-Gegenwind: Zölle, Schulden und Zinsspiele 🐘 Elefant Nr. 1 – Zölle: die neue Verbrauchersteuer Beschönigen wir es nicht: Zölle sind Steuern, und sie werden zunehmend als patriotische Politik verkauft. Während das Ziel vorgeblich darin besteht, „die Produktion zurück ins Land zu holen“, ist die unmittelbare Folge ein Druck auf die US-Verbraucher, insbesondere auf die untere und mittlere Schicht.

Ein Großteil der starken Umsätze im zweiten Quartal wird Vorzieheffekten zugeschrieben – Branchen, die sich eilig eindecken, bevor die Zölle greifen. Investitionen in zukunftsgerichtete Projekte sind in den Hintergrund getreten, da Unternehmen sich lieber für Aktienrückkäufe entscheiden, um die Gewinnoptik aufzupolieren. Spoiler: Das funktioniert nur, bis die Musik aufhört zu spielen.

🐘 Elefant Nr. 2 – Die Schulden, über die niemand laut spricht Die US-Staatsverschuldung wächst in atemberaubendem Tempo, und die jüngste „Big-Ugly Bill“ gießt weiteres Öl ins fiskalische Feuer. Ein erheblicher Teil der ausstehenden Schulden muss refinanziert werden, und sagen wir es so: Es wäre sehr gelegen, wenn die Zinsen bis dahin zufällig sinken würden.

Daher der nicht gerade subtile Druck des Weißen Hauses auf die Federal Reserve, insbesondere auf Fed-Chef Powell, die Zinsen zu senken. Das steht natürlich in direktem Widerspruch zur vermeintlichen Unabhängigkeit der Fed und zu ihren Kernmandaten:

📜 Mandate der Federal Reserve (wie ursprünglich vorgesehen) Preisstabilität – Inflation niedrig und stabil halten (Ziel 2 %).

Maximale Beschäftigung – hohe Beschäftigung fördern, ohne die Wirtschaft zu überhitzen.

Moderate langfristige Zinsen (implizit) – über die Zeit stabile Finanzierungsbedingungen sichern.

Doch selbst wenn die Fed den Leitzins senkt, heißt das nicht, dass die Renditen der Treasuries folgen. Märkte preisen schließlich Risiko und Glaubwürdigkeit ein – zwei Eigenschaften, die bei der US-Fiskalpolitik derzeit auf dem Prüfstand stehen.

📉 3. Risse im Treasury-Markt – schwindet das Vertrauen? 🔻 Massive Abflüsse aus langlaufenden Treasuries Laut FT und The Week wurden im zweiten Quartal 2025 11 Mrd. $ aus Treasury-Fonds mit langer Duration abgezogen – der größte Exodus seit der Pandemiepanik. Der Trend spiegelt einen wachsenden Appetit auf kurzfristige Anleihen wider, die ein geringeres Durationsrisiko und besseren Schutz vor Zinsschocks bieten.

„Anleger betrachten Treasuries nicht mehr als den ultimativen sicheren Hafen, sondern als Risikoanlagen mit fiskalischem Ballast.“ – Financial Times

⚠️ Schwache Auktionskennzahlen und steigende Renditen Die Auktion der 10-jährigen Treasuries im Juni erzielte eine Bid-to-Cover-Ratio von 2,52, nach zuvor 2,60 – ein Zeichen verhaltener Nachfrage. Gleichzeitig stiegen die Renditen um 8 Basispunkte, was höhere Risikoprämien angesichts von Inflationssorgen und Schuldenbedenken widerspiegelt. [Quelle: Reuters]

🏦 Institutionelle Vorsicht nimmt zu BlackRock hat öffentlich gewarnt, dass die wachsende US-Verschuldung das Vertrauen in amerikanische Finanzanlagen untergraben könnte. Das Unternehmen hat begonnen, Allokationen in kürzer laufende Treasuries umzuschichten.

Die Bank of America berichtet, dass inzwischen über 30 % der Fondsmanager Nicht-Dollar-Anlagen bevorzugen, wobei US-Treasuries zu den unattraktivsten Positionen zählen. (Quellen: Reuters, Barron’s)

🧯 Treiber des Ausverkaufs Die Inflationserwartungen bleiben erhöht – angeheizt durch Zölle und Energiekosten.

Die Defizite weiten sich rasch aus und wecken Zweifel an der Tragfähigkeit.

Politische Einflussnahme bedroht die Glaubwürdigkeit der Fed.

Treasuries gelten nicht mehr als unantastbare „sichere Häfen“.

🧭 Fazit für Anleger Langlaufende Treasuries stehen unter Druck – meiden Sie sie, es sei denn, Sie glauben an ein Comeback der Haushaltsdisziplin (Spoiler: Das kommt nicht).

Kurzfristige Anleihen ziehen weiterhin Zuflüsse an und bieten Rendite bei geringerem Durationsrisiko.

Achten Sie auf Treasury-Auktionen, CPI-Daten und Äußerungen der Fed als Signale für Stimmungsumschwünge.

🧱 Elefant Nr. 3 – Die Zukunft des Welthandels? Der Handel zwischen den USA und der EU macht rund 30 % des globalen Handelsvolumens aus und bleibt ein Eckpfeiler der Weltwirtschaft. Jeder sogenannte „Deal“ oder Politikwechsel zwischen diesen Giganten wird weltweit nachhallen.

Wird der Freihandel eingeschränkt, wird die Globalisierung eingeschränkt – und unweigerlich auch das globale Wachstum. Ein Verlust-Verlust-Verlust-Szenario, es sei denn, Sie sind im Zolleintreibungsgeschäft tätig.

📈 Schlussgedanke Märkte können Fundamentaldaten eine Weile ignorieren – manchmal eine sehr lange Weile –, solange die Liquidität fließt und FOMO im Trend liegt. Doch irgendwann zählt die Schwerkraft.

„Die Märkte können länger irrational bleiben, als Sie zahlungsfähig bleiben können.“ – John Maynard Keynes (oder jeder Trader, der 2022 einen Margin Call bekam)